Im ersten Wiener Fälschermuseum erfährt man Kurioses rund um die dunkle Seite der Malerei und den Kunsthandel, illustriert von „echten“ Fälschungen und „falschen“ Originalen.
Diane Grobe sitzt im Museumsshop hinter dem Empfangstresen und surft im Internet. Sie ist immer auf der Suche nach Kunstwerken, wenn gerade einmal kein Besucher da ist. „Das Internet ist mittlerweile ein wichtiger Umschlagplatz für Fälschungen und Kopien geworden“, erzählt die junge Frau, der das erste Wiener Fälschermuseum gehört. Sie hat es vor vier Jahren gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Christian Rastner, einem Architekten, eröffnet.

Bei einem Aufenthalt an der Ostsee fiel den beiden ein Buch über Kunstfälscher in die Hände. „Am Anfang war es nur eine Idee, die uns im Urlaub in den Sinn gekommen ist“, erklärt sie, während sie hinunter in das Kellergeschoss geht, „jetzt ist daraus ein wirkliches Herzensprojekt geworden.“ Diane malt seit vielen Jahren abstrakte Bilder und Christian Rastner kopiert die großen Impressionisten oder er malt gegenständliche Eigenkreationen. Er hat auch schon das ein oder andere Klimt-Bild detailgetreu neu erschaffen. So war der Schritt in die Selbstständigkeit im künstlerischen Bereich für beide logisch.
Die Faszination der Fälschung
Im Untergeschoss des Museums hängen mehr als 60 Fälschungen und Kopien von Werken großer Meister. Die beiden erweitern die Sammlung laufend mit viel Spürsinn und Verhandlungsgeschick, und bekommen teilweise von den noch lebenden Fälschern selbst Bilder zur Verfügung gestellt.
Und schon ist Diane Grobe mitten in der Schilderung der Kriminalgeschichten rund um Rembrandt, Van Gogh und Rubens. Die Namen der Meisterfälscher – Edgar Mrugalla, Tom Keating oder Lothar Malskat – nennt sie mit einem breiten Grinsen. „Die Meisterfälscher sind auch Künstler“, erzählt sie, „nur haben sie den Weg in die Illegalität gewählt, um den Kunstbetrieb auf das Glatteis zu führen, und nebenbei nicht wenig Geld zu verdienen!“

„Beispielsweise Edgar Mrugalla. Er gilt als „König der Kunstfälscher“ und hat in seinem Leben über 3000 Picassos, Liebermanns und Noldes gefälscht“, erzählt die Museumsbesitzerin, die mit ihm auch in persönlichem Kontakt steht, „Mrugalla hat auch für die DDR-Regierung gearbeitet, die seine Fälschungen im Westen für teures Geld verkaufte.“
Dass eine Expertin des Louvre ihm bei einem Prozess wegen Urheberrechtsverletzung und Beihilfe zum Betrug Genialität attestierte, wird von Diane mit einem Augenzwinkern beigefügt. Mrugalla lebt heute von der Künstlersozialhilfe.
Tom Keating ist mittlerweile gestorben, er war in England so beliebt, das er zuletzt eine eigene Fernsehshow bekam.
Ein Bild von „Matisse“, das das junge Paar im Internet günstig erstanden hat, könnte auch echt sein. „Es gibt niemanden, der sagen kann, ob es eine Fälschung ist, oder nicht“, lacht Diane Grobe, „200.000 Euro wurden uns bereits geboten, aber wir verkaufen nicht.“
Überhaupt ist die ganze Ausstellung mit Augenzwinkern zusammengestellt. So wird der Besucher mit einem Museumsguide ausgestattet und auf Wunsch, von Diane über die einzelnen Werke und die Geschichten, die sich darum ranken, aufgeklärt. Die Frage, ob es nun ein Original, ein „gefälschtes“ Original oder eine „original“ Fälschung handelt, verkommt hier nicht nur zum Wortspiel, sondern fordert beim Besucher detektivisches Geschick.
Infobox:
Fälschermuseum Wien
LÖWENGASSE 28 (VIS-A-VIS HUNDERTWASSERHAUS)
A- 1030 WIEN
TEL.: +43-1-715 22 96
Öffnungszeiten: 10.00 – 17.00 Uhr
Im Museumsshop findet sich so manches Kurioses Mitbringsel

Begriffsdefinitionen:
Kopie (Meisterkopie):
Das ist die Kopie eines bestehenden Werkes, ohne den (falschen) Hinweis, es sei das Original.
Und: Ein Bild darf erst (auch in Originalgröße, mit Originalunterschrift), 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers kopiert werden. Eine Kopie ist noch keine Fälschung.
Fälschungen:
Identfälschung:
Eine Kopie eines bestehenden Werkes, mit dem (falschen) Hinweis, es sei das Original.
Stilfälschung:
Ein Werk, das im Stil eines Künstlers gemalt wurde, mit dem (falschen) Hinweis, es sei ein Original
Verfälschung: Eine Identfälschung, bei der Änderungen oder Bearbeitungen durchgeführt wurden.
Plagiat:
Ein fremdes Werk, von dem jemand (z.B. der Besitzer) behauptet, es sei sein eigenes Werk